Altweibersommer
- Walter Gasperi
- vor 12 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Die Schauspielerin Pia Hierzegger schickt in ihrem Regiedebüt drei befreundete Frauen um die 50 auf einen Trip nach Venedig: Trotz solider schauspielerischer Leistungen dümpelt diese Dramödie mehr dahin als wirklich Esprit und Schwung zu entwickeln.
War es früher die Ausnahme, dass ein/e Schauspieler:in auf den Regiestuhl wechselt, ist dieser Umstieg im letzten Jahrzehnt regelrecht in Mode gekommen. Greta Gerwig ("Lady Bird", 2017; "Barbie", 2023) und Jesse Eisenberg ("A Real Pain", 2024) sind nur zwei von zahlreichen US-Beispielen. Auch in Österreich haben beispielsweise Karl Markovic mit "Atmen" (2011) und "Superwelt" (2015) oder Josef Hader mit "Wilde Maus" (2017) und "Andrea lässt sich scheiden" (2024) diesen Schritt erfolgreich gewagt. Nun legt auch Haders Lebensgefährtin Pia Hierzegger mit "Altweibersommer" ihr Regiedebüt vor, doch überzeugen kann diese Dramödie, in der Hader einen Kurzauftritt als Campingplatzbesitzer hat, nicht.
Nicht unbedingt originell ist schon die Ausgangssituation, dass drei etwa 50-jährige Freundinnen, die sich aus einstigen WG-Zeiten kennen, alljährlich gemeinsam einen Kurzurlaub auf einem steirischen Campingplatz verbringen. Mit einer dominanten Lehrerin (Ursula Strauss), die als Umweltschützerin jede Verwendung von Plastik ablehnt, einer erfolglosen Schauspielerin (Diana Amft) und einer an Brustkrebs erkrankten Architektin (Pia Hierzegger), die vor kurzem ihre Chemotherapie beendet hat, sind diese Frauen zudem ziemliche Klischeefiguren.
Mit Hierzegger selbst, Ursula Strauss und Diana Amft sind die Protagonistinnen zwar prominent besetzt, doch echte Anteilnahme an der Situation dieser Figuren können die Schauspielerinnen kaum wecken. Weder Witz noch Dramatik kommt in ihren Gesprächen auf, sondern spannungsarm bleiben die gemeinsamen Stunden und auch die ständigen Anrufe des Manns der Lehrerin, der scheinbar ohne seine Frau nichts auf die Reihe bekommt, oder der Tochter der Architektin, die die Mutter über ihre Schwangerschaft informiert, sorgen nicht für Dynamik.
Klischeehaft ist dann auch die Zeichnung eines unsympathischen deutschen Dauercampers (Thomas Loibl), der Verschwörungstheorien vertritt und mit seinem aggressiven Schäferhund den syrischen Angestellten einschüchtert. Dennoch verbringt das Trio mit ihm einen gemeinsamen Abend, hat er in seinem Wohnwagen doch reichlich Bier.
Wenig glaubwürdig ist aber, dass ausgerechnet die so korrekte Lehrerin nach dem überraschenden Tod des Deutschen in dessen Wohnwagen eindringt und eine wertvolle Münzsammlung stiehlt. Geschaffen ist damit aber die finanzielle Grundlage, um der kranken Freundin und auch sich selbst einige Tage in einem Luxushotel in Venedig zu ermöglichen.
Aber auch mit dem Wechsel vom steirischen Campingplatz in die Lagunenstadt nimmt "Altweibersommer" nicht Fahrt auf. Da bekommt man nicht nur wenig von der durch Bauten und ihr einzigartiges Ambiente berühmten Stadt zu sehen, sondern an den Haaren herbeigezogen wirkt auch, dass der Polizist, der den Tod des deutschen Campers aufnahm, den Freundinnen nach Venedig folgt.
An Wendungen mangelt es zwar nicht und der häufige Szenenwechsel hält dieses Debüt halbwegs am Laufen und verhindert das Aufkommen von Langeweile, doch der Inszenierung fehlt es entschieden an Esprit, Einfallsreichtum und Gespür für die Verdichtung von Szenen durch perfektes Timing. Ist das Furzkissen im Auto so schon beim ersten Einsatz nicht wirklich witzig, so nervt es bei den folgenden Szenen nur noch und ebenso folgen- wie witzlos bleiben ein Unfall mit Blechschaden oder eine Begegnung mit einem afrikanischen Strandverkäufer.
Ganz den Regeln solcher Dramödien oder Komödien folgt Hierzegger auch, wenn es nach etwa zwei Drittel der Laufzeit zu einem Konflikt zwischen den Protagonistinnen kommt und jede ihre eigenen Wege geht, bis sie am Ende doch wieder zusammenfinden. Doch während andere Regisseur:innen aus solchen Wendungen große dramatische oder komödiantische Wirkung generieren, wird hier keinem Moment Nachdruck verliehen und ebenso gleichförmig wie nichtssagend dümpelt die Handlung über 90 Minuten dahin.
Altweibersommer Österreich 2024 Regie: Pia Hierzegger mit: Pia Hierzegger, Diana Amft, Ursula Strauss, Thomas Loibl, Josef Hader, Emmanuel Ajayi, Zaid Alsalame, Clemens Berndorff Länge: 94 min.
Läuft derzeit in den österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn, Kino GUK in Feldkirch, Cineplexx Hohenems und Cineplexx Lauterach.
Trailer zu "Altweibersommer"
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