King´s Land - Bastarden
- Walter Gasperi
- 19. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit

Im 18. Jahrhundert will ein verarmter dänischer Hauptmann für den König die jütländische Heide kultivieren, findet dabei aber in einem Gutsherrn einen erbitterten Gegner: Mit einem großartigen Mads Mickkelsen in der Hauptrolle gelang Nikolaj Arcel ein bildmächtiger und packender "dänischer Western".
Im Original heißt Nikolaj Arcels Historienfilm "Bastarden" und verweist damit auf die uneheliche Herkunft des von Mads Mikkelsen gespielten Hauptmann Ludvig Kahlen. Im Armenhaus für Veteranen lebt er 1755, nur ein Orden, den er sorgfältig poliert, erinnert an seine militärischen Leistungen.
Als Sohn einer Magd und eines Grundherrn sehnt er sich nach gesellschaftlichem Aufstieg und sieht die Chance dafür in der Kultivierung des jütländischen Heidelands. Ein großes Projekt von König Frederik V. ist dies, würde dessen Gelingen doch beträchtliche Steuereinnahmen bedeuten. Doch alle Versuche sind bislang aufgrund des rauen Klimas, des unfruchtbaren Bodens und der Präsenz von Gesetzlosen gescheitert.
Kahlen bietet an, es auf eigene Kosten zu versuchen und erbittet als Belohnung für den Fall des Gelingens einen Adelstitel und ein Landgut. Unbesorgt erteilen die Berater des Königs dem Hauptmann die Genehmigung, nehmen sie sein Scheitern doch als sicher an.
Unterschätzt haben sie freilich die Entschlossenheit Kahlens, der aber in der rauen Gegend nicht nur in der Natur einen harten Gegner findet, sondern auch im Gutsbesitzer Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg), der dieses ungenützte Land, das offiziell dem König gehört, als seinen Besitz ansieht und mit Argwohn die Bemühungen Kahlens beobachtet.
Gekonnt schürt Arcel mit diesen beiden Kontrahenten die Emotionen des Publikums. Dem Naturburschen Kahlen steht mit De Schinkel ein degenerierter Adeliger gegenüber, der den Tag mit Trinken verbringt und vor dem keine Frau sicher ist. Gleichzeitig steht seinem Landschloss mit Barockgarten, in der die Natur völlig domestiziert ist, die wilde Heidelandschaft gegenüber.
Kahlen findet aber in einem Priester und einem geflohenen Pachtbauern-Paar, zu denen bald auch noch ein Sinti-Mädchen kommt, Helfer. Langsam gedeiht so das Anwesen, wird das Heidekraut beseitigt, eine Ackerfläche angelegt und auch eine kleine Patchwork-Familie bildet sich.
Doch die positiven Entwicklungen sind einerseits durch Witterungsbedingungen wie Frost, vor allem aber durch die Angriffe De Schinkels gefährdet. Dieser zeigt nämlich seine Macht nicht nur in einem brutalen Strafgericht an dem geflohenen Pachtbauern, sondern versucht Kahlen auch mit einem Geldgeschenk von seinem Plan abzubringen und schreckt schließlich auch vor brutaleren Aktionen nicht zurück.
Wie ein mephistophelischer Verführer wirkt De Schinkels hier teilweise und Kahlen ist auch einmal nah dran dessen Angebot nachzugeben, hält dann aber doch an seinem Plan fest. Entscheiden muss sich der Hauptmann dabei aber auch zwischen seinem Vorhaben und dem privaten Glück. Mag er zunächst auch alles opfern, um sein berufliches und gesellschaftliches Ziel zu erreichen, so wird das Ende in dieser Hinsicht doch eine radikale Kehrtwendung bringen.
So erzählt Arcel einerseits in großartigen, in Erdfarben getauchten Bildern und sorgfältiger Ausstattung, die atmosphärisch dicht diese Welt des 18. Jahrhunderts evoziert, eine historische dänische Geschichte, die an die Eroberung des amerikanischen Westens erinnert. Wie dort sind es auch hier Außenseiter und Randständige, die die Zivilisierung des Lands ermöglichen, und an die Stelle der Konfrontation mit den Indigenen tritt hier die Feindschaft mit dem alteingesessenen Adel. Und wie im amerikanischen Western die Farm rückt hier die Kamera von Rasmus Videbæk in großartigen Totalen das isoliert in der weiten Heide stehende Bauernhaus von Kahlen ins Bild.
Gleichzeitig ist das aber eben auch eine von einem großartigen Mads Mikkelsen getragene Geschichte eines Mannes, der bereit ist für sein großes Ziel alles zu opfern, nur um schließlich zu erkennen, dass für das private Glück andere Faktoren entscheidend sind. Während diese Figur beeindruckend ambivalent und in seinem Gerechtigkeitswahn so obsessiv ist wie Michael Kohlhaas, den Mikkelsen vor elf Jahren unter der Regie von Arnaud de Pallieres spielte, so besessen scheint auch Kahlen von seinem Traum von der Kultivierung dieses Landes. Im Gegensatz zu dessen Vielschichtigkeit wird De Schinkels doch ziemlich eindimensional als sadistischer und degenerierte Gegenfigur aufgebaut.
Das Kino revolutioniert Arcel, der schon mit "Die Königin und der Leibarzt" (2012) mit Mikkelsen einen im 18. Jahrhundert spielenden Historienfilm gedreht hat, mit "King´s Land" sicher nicht, aber er versteht es souverän, das geradlinige Drehbuch, für das er selbst und Anders Thomas Jensen verantwortlich zeichnen, so bildmächtig und stringent umzusetzen, dass über zwei Stunden packende Unterhaltung geboten wird.
King´s Land - Bastarden Dänemark / Deutschland / Schweden / Norwegen 2023 Regie: Nikolaj Arcel mit: Mads Mikkelsen, Amanda Collin, Simon Bennebjerg, Gustav Lindh, Kristine Kujath Thorp, Melina Hagberg, Morten Hee Anderson, Magnus Krepper Länge: 128 min.
Läuft jetzt in den österreichischen Kinos Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 31.7., 20 Uhr Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 12.8., 20.15 Uhr Kinothek Lustenau: Mo 30.9., 18 Uhr + Mi 9.10., 20 Uhr LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 6.11., 19 Uhr
Trailer zu "King´s Land - Bastarden"
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